Koinzidenzen

Da hatte ich mir gestern zur Unterhaltung bei der Zugfahrt das Buch Deutschboden von Moritz von Uslar gekauft. Heute war ich dann bei der Fahrt im Regionalexpress von Peitz Ost nach Berlin beim Kapitel Regionalexpress angelangt, wo von Uslar seine Mitreisenden im Regionalexpress von Berlin nach Oranienburg bzw. Zehdenick (der Hauptort des Buches, der dort Oberhavel heißt) beschreibt. Und irgendwie brauchte ich mich bloß umzuschauen, um all die beschriebenen Charaktere auch in meinem Zug wiederzufinden. Schon auf der Hinfahrt gestern Abend war es ganz lustig, den Abschnitt über Eisenhüttenstadt genau beim Durchfahren von Eisenhüttenstadt zu lesen.

Heute Abend war ich dann beim Kapitel über die Punkband 5 Teeth Less angelangt, wo der Autor den Gesang mit dem von James Dean Bradfield von den Manic Street Preachers verglich. Und prompt kam auf detektor. fm, das ich nebenher laufen hatte, auch ein Song von denen.

Manchmal ist die Welt schon voll von eigenartigen Zufällen.

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Gute Opfer – schlechte Opfer

Diese Woche brachte das ZDF prominent in der 19:00-Uhr-heute-Sendung einen Bericht, überschrieben mit „Missbrauchsopfer sollen gestärkt werden“ über den Besuch der beiden Bundesministerinnen Leutheusser-Schnarrenberger und Schröder im ehemaligen DDR-Jugendwerkhof Torgau. Dabei wurde über die Misshandlungen von Jugendlichen durch die Bediensteten berichtet, die absolut nicht tolerierbar sind. Frau Leutheusser-Schnarrenberger sagte im Bericht anschließend, dass die Opfer unterstützt werden sollen und das dabei auch um Prävention ginge. Der unbedarfte Zuschauer muss sich nun fragen, wie man 20 Jahre nach dem Ende der DDR von Prävention bei Straftaten in Jugendwerkhöfen sprechen kann (um etwas anderes ging es im Bericht nicht)? Verständlich wird das nur, wenn man entweder die Meldung beim epd zu dem Besuch liest, wo der Zusammenhang zum im April einberufenen  (und nur am Rande auf die DDR bezogenen) „Runden Tisch sexueller Missbrauch“ hergestellt wird. Oder wenn man heute Morgen im ZDF-Lebenshilfe-/Kirchenmagazin „sonntags“ (das de facto unter Ausschluss der Öffentlichkeit sendet) den Bericht über Vergewaltigungen und Zwangsarbeit von Jugendlichen in westdeutschen Heimen gesehen und dabei auch erfahren hat, dass es seit zwei Jahren einen „Runden Tisch Heimerziehung“ gibt, wo es um die Entschädigung westdeutscher Heimkinder der 50er und 60er Jahre geht und der wohl jetzt ergebnislos endet. Der „sonntags“-Bericht ist interessanterweise als einziger der heutigen Sendung nicht in der ZDF-Mediathek vertreten.

Das ist also die objektive Berichterstattung des ZDF. Auf den toten Sack DDR kann man vor einem Millionenpublikum locker einprügeln. Da ist ja auch keiner mehr da, der sich wehrt. Die eigene (westdeutsche) Geschichte, die in diesem Fall nicht viel anders aussieht, wird aber in die Nische am Sonntag Morgen verbannt.

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Albanien – ein Land, das nur Absonderlichkeiten zu kennen scheint

 

Zentrum von Durrës in Albanien

Zentrum von Durrës in Albanien

 

In der letzten Woche gab es, was selten vorkommt, im Fernsehen zwei Filmberichte aus Albanien, einmal in Kulturzeit von 3sat und zum anderen im Weltspiegel vom Ersten. Beides sind Sendungen, die ich eigentlich sehr schätze. Einzeln betrachtet, waren die Beiträge auch ganz interessant und hätten ihre Berechtigung, wenn es im deutschen Fernsehen eine brauchbare Basisberichterstattung gäbe. Das ist aber nicht der Fall. So muss der interessierte Zuschauer den Eindruck haben, dass das ganze Land aus lauter Absonderlichkeiten besteht und sich eigentlich seit 20 oder auch 100 Jahren nichts geändert hat.

Nun bin ich vor wenigen Wochen von Nord nach Süd durch Albanien gefahren, zugegebenermaßen nur entlang der Hauptverkehrsachsen, wo aber eben auch der weitaus überwiegende Teil der Bevölkerung lebt. Und was ich da gesehen habe, war ein überwiegend „normales“ Leben , das sich nur wenig von dem der Nachbarstaaten zu unterscheiden scheint. Selbst die Straßen waren besser als die in der südlich angrenzenden griechischen Region Epirus. Das Land hat sicher noch Probleme und es gibt einen nicht unwesentlichen Anteil der Bevölkerung, der offensichtlich aus mitteleuropäischer Sicht arm ist. Andererseits gibt es einen unübersehbaren Bauboom. Die Ferienorte an der Küste sind zum großen Teil praktisch neu aufgebaut, wenn man sich auch manchmal fragt, mit welchem Geld und wer die Tausenden neuen Apartments kauft/mietet. Schon allein dieser Frage nachzugehen, wäre aus meiner Sicht eine lohnende Aufgabe für Journalisten, aber  das erfordert eben einigen Rechercheaufwand. Da scheint es doch einfacher zu sein, über Eigenarten wie Schwurjungfrauen oder Blutrache zu berichten, womit die meisten Albaner aber überhaupt nichts mehr zu tun haben.

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Blickpunkt mit Scheuklappen

Blickpunkt vom ZDF ist sozusagen der Länderspiegel für den Osten Deutschlands, richtet sich also auch vorrangig an die (wie beim ZDF üblich: älteren) Zuschauer im Osten. Heute nun berichtete man zunächst vom Hochwasser an der Neiße. Dabei durfte auch Direktschaltung zu einer Reporterin in Görlitz nicht fehlen. Der Blick selbst war aber eingeengt auf die Westseite (also die deutsche) der Neiße, dass es unmittelbar auf der anderen Uferseite auch Hochwasser mit teilweise verheerenderen Auswirkungen gibt, kam praktisch nicht vor. Lediglich der Bruch des Witka-Staudamms wurde vermeldet, Bilder gab es dazu aber nicht. Wenn so etwas auf der deutschen Seite passiert wäre, würde das wahrscheinlich von hinten und vorn, oben und unten beleucht. Nun war das aber auf der polnischen Seite, wenn auch nur 15 km von Görlitz bzw. 2 km von der deutschen Grenze entfernt. Aber die Mauer scheint in den Köpfen des ZDF nach wie vor so hoch zu sein, dass ein Berichterstattung darüber unmöglich ist. Dann durften sich noch zwei Journalisten der Qualitätspresse aus Frankfurt am Main darüber ergehen, wie schlecht doch Lehren aus der Hochwasserkatastrophe 2002 gezogen wurden. Das natürlich aus einem Studio in Mainz, 500 km Luftlinie entfernt und bar jeder Orts- und Sachkenntnis.

Nachdem das abgehakt war, widmete man sich in einem konfusen Beitrag der DSL-Versorgung im Osten, surfenden Rentnern und Internet-Aussteigern. Da wurde dann behauptet, dass es eine Mauer bei der DSL-Versorgung in den östlichen Ländern gibt, ohne das aber weiter zu belegen. Wahrscheinlich diente das nur der Pflege der Vorurteile der Zuschauer der Sendung. Natürlich gibt es im Osten mehr Regionen ohne Breitband-Internetversorgung, aber es gibt da eben auch viel mehr dünn besiedelte Regionen. Wenn man sich den Breitband-Atlas der Bundesregierung von vor einem Jahr ansieht, wird schnell deutlich, dass in Sachsen prozentual genauso viele Haushalte Breitbandzugang (mindestens 1 MBit/s) haben wie Bayern, und dass auch die Zahlen von Thüringen und Rheinland Pfalz sich praktisch nicht unterscheiden. Man kann es zwar prinzipiell als Armutszeugnis für eine Industrienation wie Deutschland ansehen, dass 2010 noch nicht alle Haushalte eine solchen Zugang haben, eine besondere Benachteiligung des Ostens ist da aber nicht zu erkennen.

Danach habe ich das Weitergucken aufgegeben.

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Abendschau kennt das Wort „nachträglich“ nicht

In ihrem Bemühen, eigentlich ziemlich irrelevante Kriminalitätsprobleme zu puschen, hat sich die Abendschau vom rbb heute in ihrem Aufmacher der Sicherungsverwahrung angenommen. Da hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Mai entschieden, dass eine nachträgliche Verlängerung der Sicherheitsverwahrung eines Schwerverbrechers illegal ist. Nun müssen die Betroffenen freigelassen werden.  Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Stammtisch-Nachrichten dieses „Informationsmagazins für Berlin“. Und da kann oder muss man schon mal auf die Feinheiten verzichten.  Um es deutlich zu sagen: Der EuGH hat nicht die Sicherungsverwahrung verboten, sondern die Verhängung derselben nach dem Urteilsspruch. Traurig nur, dass selbst die Justizsenatorin, die man in der Sendung befragte, das nicht richtigstellt.

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Martins längere Gedanken

Nachdem ich nun schon seit über einem Jahr kurze Schnipsel twittere habe ich festgestellt, dass 140 Zeichen manchmal eben doch nicht ausreichen, seine Gedanken auszudrücken. Deshalb also der Versuch, diese längeren Gedanken in einem Blog zum Ausdruck zu verhelfen.

Im diesem Blog wird es also darum gehen, was mich so beim täglichen Medienkonsum bewegt, vorrangig balkanische Geschichten, aber auch Auffälligkeiten im Fernsehen (bevorzugt öffentlich-rechtlich), dabei besonders tagesaktuelle Sendungen, die häufig viel Mist verzapfen. Bildblog, Stefan Niggemeier und andere machen das sicher viel professioneller, aber es bleibt immer noch zuviel unentdeckt. Besondere Kandidaten sind da heute und die rbb Abendschau.

Mal sehen, wie sich das entwickelt.

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